Bienengeschichten 

  • Das Märchen, wie Bienen und Pflanzen zueinander fanden
  • Die Honig-Geschichte
  • Der Angsthonig
  • Die Bienenkönigin
  • Die Weidenkinder und die Bienen
  • Bienen'zauberer' auf der Apfelwiese
  • Nektar für die Bienen
  • Der Hunger der Bienen
  • Ein wundersamer Sommertag 

Das Märchen, wie Bienen und Pflanzen zueinander fanden 

Es war einmal vor langer, langer Zeit, vor Millionen von Jahren, da waren es die meisten Pflanzen eines Tages leid, in Liebesdingen immer noch Zufall und Willkür ausgesetzt zu sein. Denn wenn sie sich lieben und befruchten wollten, dann waren sie damals auf den Wind angewiesen, der die Blütenpollen von Pflanze zu Pflanze trug - wenn er wollte. Meistens war das ja der Fall, doch des öfteren wehte er zu früh oder zu spät oder gerade dann nicht, wenn die Pflanzen ihre Blüten weit geöffnet hatten, die Stempel voll waren mit unzähligen Pollen und sie bereit waren für die Liebe und Fortpflanzung. Auf Dauer gesehen war dieses Liebes-System zur Arterhaltung ganz schön anstrengend, mussten sie doch Unmengen von Blütenstaub produzieren und vielleicht sogar öfters blühen, wenn zum richtigen Zeitpunkt nichts ging, nicht einmal der Wind. Kurzum, sie hatten die Nase voll und wollten eine
 Veränderung herbeiführen. 
 Dazu ließen sie überall verkünden: "Wir suchen zuverlässige Kreaturen, belastbar, verantwortungsbewusst, intelligent, fleißig, mobil, mit flexiblen Arbeitszeiten, und das in möglichst großer Zahl. Wir bieten Lebensstellung für alle Zeiten, auch für die Nachkommenschaft ist genug Arbeit da." Als Belohnung sollten die Erwählten dann auf eine ganz besondere Weise an dem Liebesspiel der Pflanzen teilhaben dürfen.
 Alles setzte Beine und Flügel in Bewegung, um diese Lebensaufgabe für sich und seine Nachkommen zu ergattern.
 Läuse und Käfer waren darunter, Ameisen, Fliegen, Schmetterlinge, Hummeln, Wespen und Bienen kamen herbei. Viele von ihnen erfüllten eine Reihe der geforderten Voraussetzungen und einige Pflanzen liebäugelten mit ihnen, z.B. mit den Hummeln oder mit den Schmetterlingen, je nach dem, wie ihre Blüten gestaltet waren und gingen Teilverträge mit ihnen ein.
 Auch die Ameisen waren hohe Favoriten gewesen, allein schon wegen ihrer großen Zahl und der Tatsache, dass sie fast überall hinkamen, aber sie hatten zu kleine Zungen und Rüssel und schieden deshalb zuletzt aus. Doch sie kamen auch nicht zu kurz, sie durften die Blattläuse als Melktiere halten.
 Den Zuschlag bekamen die Bienen. Denn sie waren nicht nur zuverlässig, belastbar, fleißig, mobil etc. sondern sie waren sogar in der Lage, mittels ihrer Flugkünste vom Himmel aus festzustellen, welche Pflanzengattung gerade reif für die Liebe war. Außerdem konnten sie mittels eines Tanzes ihre Sammelschwestern im Bienenstock informieren und in großer Zahl mobilisieren.
 Jetzt waren die Pflanzen am Ziel ihrer Wünsche angekommen: Jedesmal, wenn sie reif für die Liebe waren, signalisierten sie dies den Bienen mit bunten, farbenprächtigen Blüten und verführerischen Düften. Sie sollten kommen, um sich ihre Belohnung abzuholen. Und was war das? Ein kleines Tröpfchen Nektar am Grunde des Blütenkelchs durften sich die Bienen einverleiben. Und so sollten sie teilhaben an der Süße der Liebe und sollten so belohnt werden
 für ihre Dienste. 
 Und ihre Aufgabe? Ja das war sie schon im Prinzip. Denn die Bienen kamen ganz eifrig, angelockt von der Buntheit der Blüten und der Süße der Düfte und sie tauchten ein in die Kelche mit ihren Blütenstaubgefässen, um mit ihrer Zunge oder dem Rüssel das kostbare Nektartröpfchen zu ergattern. Und jedesmal, wenn sie sich in die Blütenkelche mit ihrer Zunge, ihrem Kopf oder mit dem ganzen Körper hineinzwängten, berührten sie die Blütenstempel auf denen massenweise und ganz locker Pollen saßen. Die Pollen waren so klein wie Staubkörner, deshalb heißen sie auch Blütenstaub, und sie hingen sich überall auf der Biene in ihrem Haarkleid ein. Auf diese Weise ließen sie sich per Bienenexpress zur nächsten Blüte transportieren und dort wieder abstreifen.
 Nur die Bienen konnten mit ihrer großen Zahl und ihrem Fleiß alle Blumen einer Gattung, die ja fast immer gleichzeitig blühten besuchen. Ja, die geflügelten Helfer durften sogar die Pollen behalten, die sich in ihren Haaren
 verfangen hatten und zur Befruchtung nicht mehr gebraucht wurden. Als reinliche Tiere bürsteten und putzten sich die Bienen immer wieder, sammelten die Pollen an den Hinterbeinen, wo sie beim Fliegen am allerwenigsten störten und brachten sie so in ihren Stock.
 So machten sich die Pflanzen unabhängig vom Wind und sie liebten sich ab jetzt immer dann, wenn sie wollten, befruchteten sich und sorgten für zahlreiche Nachkommenschaft. Das System hat sich ganz schnell bewährt, und so ist es bis zum heutigen Tag geblieben!



Die Honig-Geschichte

Eines Sonntags morgens sagte Baby Bär zu Mama Bär: „Mama, ich möchte bitte etwas Honig haben.“ Doch Mama Bär sagte: „Oh, liebes Baby Bär, der Honig ist leider alle. Aber ich werde Papa mal fragen, ob er in den Wald geht und Honig für Dich holt.“ So ging Mama Bär zu Papa Bär und fragte ihn: „Du Papa, Baby möchte gerne etwas Honig haben. Da dieser alle ist, würdest Du wohl für Baby in den Wald gehen und Honig holen ?“ Papa Bär sagte sofort, dass er das gerne tun wolle, schnappte sich einen großen Eimer und verließ die gemeinsame Höhle.
Im tiefen dunklen Wald angekommen, traf er den Fuchs und fragte ihn, ob er denn wohl wüsste, wo es Honig gäbe. Der Fuchs riet ihm: „Gehe nur tief genug in den Wald hinein. Am 3. Baum von rechts hängt ein Bienenstock. Die Bienen sind immer sehr freundlich, sie werden Dir sicherlich gerne etwas Honig abgeben.“
Gesagt, getan. Papa Bär ging weiter in den Wald hinein und tatsächlich. Am 3. Baum von rechts hing ein wunderschöner großer Bienenstock. Auch die Bienen waren, wie vom Fuchs beschrieben, sehr freundlich. Sie begrüßten ihn mit einem fröhlichen „Summ summ, di dumm“ und fragten nach seinem Wunsch. Papa Bär erzählte, dass sein Sohn Baby Bär einen Heißhunger auf Honig habe, dieser aber leider aufgebraucht sei. Und da es Sonntag wäre und die Geschäfte geschlossen hätten, tja da hätte er sich gedacht, es mal im Wald zu versuchen. Die Bienen verstanden sein Anliegen, konnten ihm aber leider nicht helfen. Gerade weil es eben Sonntag war, hatten sie keinen Honig mehr. Denn am Sonntag ruhen sie sich immer von den Strapazen der Woche aus.
Sie rieten ihm aber, weiter in den Wald hineinzugehen, bis er an eine Lichtung käme. Dort solle er sich links halten und nach kurzer Zeit würde er ein kleines Haus erreichen. Dort wohnt ein alter Uhu, der die Bienen schon oft um Rat und Hilfe für die Zubereitung von Honigtee gebeten habe. Er wäre wirklich ein netter alter Uhu, nur hört er wohl in der letzten Zeit nicht mehr so gut. Der Bär möge also sehr laut und deutlich sprechen.
Der Bär machte sich auf den Weg und folgte dem beschriebenen Pfad. Nach kurzer Zeit erreichte er das Haus des alten Uhus und klopfte an. Doch niemand öffnete. Er klopfte erneut, wieder wurde ihm nicht aufgetan. Plötzlich zog ein Gewitter über den Wald und es donnerte. Da ertönte aus dem Haus eine Stimme: „Wer steht da draußen vor meinem Haus, ist es ein Reh oder eine kleine Maus ?“ Der Bär rief: „Hallo Uhu, ich bin´s, der Bär.“ „Der Biber ?“ „Nein“ rief der Bär, „ich bin´s, der Bär.“ Diesmal hatte er sehr laut gerufen. Aus dem Haus rief die Stimme: „Wer ist da, der Biber ?“ Die Bienen hatten Recht gehabt, der Uhu hörte wirklich sehr schlecht. Da überlegte sich der Bär eine List. Er flüsterte ganz leise: „Hallo Uhu, ich bin´s, der Bär. Ich brauche dringend Honig. Kannst Du mir welchen ausleihen ?“
Plötzlich öffnete sich die Türe. Der Uhu stand, im Morgenmantel bekleidet, vor dem Bären und sagte: „So, Du brauchst also Honig.“ Der Bär war ganz verdutzt und fragte: „Ich denke, Du hörst nicht mehr so gut. Die Bienen haben mir das gesagt.“ Der Uhu antwortete: „Die Bienen haben da nicht ganz recht. Wenn ich sie besuche und um Rat bitte, dann freuen sie sich immer so sehr, dass sie gar nicht aufhören können zu summen. Und bei dem Krach verstehst Du Dein eigenes Wort nicht mehr. Aber ich habe ihnen das nie gesagt, denn ich habe sie sehr gern.“
Der Bär war sehr gerührt, wie liebevoll der Uhu von den Bienen sprach, denn auch der Bär hatte die Bienen sehr lieb. Nicht nur, weil Baby Bär so gerne den Honig von den Bienen aß, sondern weil sie immer freundlich und hilfsbereit sind.
Der Uhu unterbrach die Gedanken des Bären und sagte: „Du brauchst also Honig. Für welchen Zweck ?“ Der Bär sprach: „Baby Bär isst den Honig so gerne und unsere Vorräte sind aufgebraucht. Da haben mir die Bienen geraten, es mal bei Dir zu versuchen.“
Der Uhu musste lächeln. „Ja die Bienen, wissen immer einen guten Rat. Warte einen kleinen Moment, ich werde mal schauen, ob ich noch Honig habe.“
Der Bär durfte Platz nehmen und der Uhu ging in den Keller. Nach einer Weile kam der Uhu wieder zurück und musste dem Bären leider mitteilen, dass auch seine Honigvorräte aufgebraucht seien. Der Bär schaute etwas traurig, bedankte sich aber ganz herzlich bei dem alten Uhu und versprach, ihn bald mit Baby Bär zu besuchen.
Auf dem Heimweg machte sich der Bär Gedanken, denn es war zwischenzeitlich schon spät geworden. Es dämmerte bereits. Im letzten Sonnenlicht erreichte er seine Höhle und ging traurigen Herzens hinein. Baby Bär lief freudestrahlend auf ihn zu und rief: „Papa, hast Du mir Honig mitgebracht ? Wo ist er ? Ist er im Eimer ?“ Dem Bären fiel es sehr schwer, Baby Bär zu sagen, dass er keinen Honig bekommen hatte. Aber das brauchte er auch nicht. Baby Bär sah sofort, dass sein Papa traurig war, setzte sich mit ihm auf den großen Ohrensessel und lies sich von ihm schildern, was er alles erlebt hatte. Nachdem Papa Bär vom Fuchs, den netten Bienen und dem alten Uhu erzählt hatte, kuschelte sich Baby Bär ganz dicht an seinen Papa und sagte: „Papa, dass Du keinen Honig bekommen hast, dafür kannst Du doch nichts. Also bitte nicht traurig sein. Allein dafür, dass Du es probiert hast und bist den ganzen Tag im Wald für mich umhergelaufen, allein dafür habe ich Dich ganz toll lieb.“
Papa Bär nahm Baby Bär ganz liebevoll in den Arm und beide schliefen glücklich ein.



Der Angsthonig 

Es war einmal ein Bienenschwarm, der lebte hoch in der Luft in seinem Bienenstock. Den Bienenstock hatten die Bienen natürlich an einem Baum befestigt. Eines Tages im Mai flog eine kleine Biene aus dem Bienenstock. Sie war noch ein Kind, wenn man das von jungen Bienen behaupten kann. Sie wollte die Welt einmal von außen sehen. Weil sie nicht nach draußen durfte, hatte sie sich bisher die Welt nur vorstellen können. "Es ist dort viel zu gefährlich!", hatten die alten, erfahrenen Bienen gesagt. So wusste die Biene nur aus Geschichten, wie es in der Welt zuging. 
 Sie flog also aus dem Bienenstock und sah, wie schön alles war. Es war ein Sonnentag, und die Blumen blühten und dufteten so herrlich, dass die Biene sich nicht vorstellen konnte, dass die Welt gefährlich für sie sei. Sie schnüffelte hier und da und setzte sich schließlich auf eine besonders große, duftende und schöne Blume. Sie aß und trank, und als sie satt war, flog sie weiter. Dann sah sie eine rote Rose und setzte sich darauf. Sie genoss ihre Freiheit und konnte vom Fliegen gar nicht genug bekommen. Als sie nach dieser herrlichen Stunde den Heimflug antreten wollte, wusste sie nicht mehr, wo sie war. Sie hatte sich verirrt! Die Biene guckte um sich und versuchte, eine bekannte Stelle wiederzufinden. Aber vergebens! 
 Plötzlich fühlte sie sich wie unter einem Dach. Über ihr funkelte ein Glas in der Sonne. Davon hatte ihr nie jemand erzählt. Ein Junge hatte sie in einem Einmachglas gefangen und brachte sie jetzt in sein Zimmer, um sie zu beobachten. Als die Biene in dem Einmachglas auf der Fensterbank stand, rief sie schluchzend: "Ach bitte, lass mich hier raus! Die Luft hier drin ist schlecht, und mein Bienenschwarm wartet schon auf mich." Der Junge antwortete: "Ich lass dich nicht aus dem Glas, nachher stichst du mich noch." Dann ging er aus dem Zimmer und ließ die Biene allein. 
 Der Tag verstrich nur sehr langsam. "Hilfe, Hilfe! Muss ich hier gefangen bleiben?", rief die Biene immer wieder. Eine Spinne, die von ihrem Lärm aufgewacht war, kam zu ihr, kletterte auf den Deckel und sprach durch die Löcher, die der Junge in den Deckel gebohrt
 hatte, damit die Biene Luft bekam: "Ich kann dich nicht befreien, aber du darfst nicht aufgeben! Du musst weiter rufen und fliegen! Immerhin kannst du dich jetzt nicht in meinem Netz verfangen!" 
 Der Junge hatte zwar ein paar Blumen in das Glas gelegt, aber die Biene wollte frei fliegen und sich die Welt angucken. Endlich wurde es dunkel, und es wurde Abend. Als der Junge in sein Zimmer kam, flehte die Biene noch einmal, sie aus dem Glas zu lassen, aber der Junge lehnte ab. Die Biene hatte die ganze Zeit verzweifelt überlegt, wie sie sich befreien könnte. Endlich fiel ihr etwas ein. Die Eltern hatten ihr gesagt: "Wenn du in Gefahr kommst, dann produzierst du Angsthonig mit besonderen Kräften. Der wird dir helfen." Den wollte sie jetzt nutzen. 
 Nach einer endlosen Stunde kam die Spinne wieder, und diesmal sagte sie: "Ich habe es mir überlegt. Ich werde dich befreien, wenn du mir etwas dafür gibst." - "Ich habe einen Wunderhonig, der Zauberkräfte hat", antwortete die Biene. Die Spinne forderte: "Den will ich erst probieren!" Da gab ihr die Biene den Honig durch die Luftlöcher, und die Spinne probierte. Sofort fühlte sie sich kräftiger. 
 Sie schmiedeten den Plan, dass die Spinne ein Netz um das Glas spinnen und es damit umwerfen sollte. Und genauso geschah es. Als das Glas auf dem Boden zerbrochen war, kam die Biene endlich frei und gab der Spinne den versprochenen Wunderhonig. Dann schwirrte sie durch das Zimmer und versuchte, einen Weg ins Freie zu finden. Aber sie hatte kein Glück. Die Biene sah auch, dass die Spinne immer mehr von dem Wunderhonig aß, und sie bekam Angst vor ihr. 
 Glücklicherweise kam der Junge, und die Biene stach ihn. Sofort entfaltete der Wunderhonig seine hypnotisierende Wirkung. Die Biene wusste das natürlich genau. Schnell flog sie zum Ohr des Jungen und säuselte: "Mach das Fenster auf! Mach das Fenster auf!" Der Junge schritt wie ein Roboter zum Fenster und öffnete es auf Befehl. Sogleich flog die Biene hinaus in die Freiheit. Schon bald sah sie in der Ferne ihren Bienenschwarm, der schon verzweifelt nach ihr suchte. Glücklich flog sie zu ihrem Volk und erzählte allen, wie es ihr schließlich mit Hilfe der Spinne und ihres Angsthonigs gelungen war, sich aus dem gläsernen Gefängnis des Bienenfängers zu befreien.


Die Bienenkönigin (alte Schreibweise)


 Zwei Königssöhne gingen einmal auf Abenteuer und gerieten in ein wildes, wüstes Leben, so daß sie gar nicht wieder nach Hause kamen. Der jüngste, welcher der Dummling hieß, machte sich auf und suchte seine Brüder: aber wie er sie endlich fand, verspotteten sie ihn, daß er mit seiner Einfalt sich durch die Welt schlagen wollte, und sie zwei könnten nicht durchkommen, und wären doch viel klüger. Sie zogen alle drei miteinander fort und kamen an einen Ameisenhaufen. Die zwei ältesten wollten ihn aufwühlen und sehen wie die kleinen Ameisen in der Angst herumkröchen und ihre Eier forttrügen, aber der Dummling sagte 'laßt die Thiere in Frieden, ich leids nicht, daß ihr sie stört.' Da giengen sie weiter und kamen an einen See, auf dem schwammen viele viele Enten. Die zwei Brüder wollten ein paar fangen und braten, aber der Dummling ließ es nicht zu, und sprach 'laßt die Thiere in Frieden, ich leids nicht, daß ihr sie tödtet.' Endlich kamen sie an ein Bienennest, darin war so viel Honig, daß er am Stamm herunterlief. Die zwei wollten Feuer unter den Baum legen und die Bienen ersticken, damit sie den Honig wegnehmen könnten. Der Dummling hielt sie aber wieder ab, und sprach 'laßt die Thiere in Frieden, ich leids nicht, daß ihr sie verbrennt.' Endlich kamen die drei Brüder in ein Schloß, wo in den Ställen lauter steinerne Pferde standen, auch war kein Mensch zu sehen, und sie giengen durch alle Säle, bis sie vor eine Thür ganz am Ende kamen, davor hiengen drei Schlösser; es war aber mitten in der Thüre ein Lädlein, dadurch konnte man in die Stube sehen. Da sahen sie ein graues Männchen das an einem Tisch saß. Sie riefen es an, einmal, zweimal, aber es hörte nicht: endlich riefen sie zum drittenmal, da stand es auf, öffnete die Schlöffer und kam heraus. Es sprach aber kein Wort, sondern führte sie zu einem reichbesetzten Tisch; und als sie gegessen und getrunken hatten, brachte es einen jeglichen in sein eigenes Schlafgemach. Am andern Morgen kam das graue Männchen zu dem ältesten, winkte und leitete ihn zu einer steinernen Tafel, darauf standen drei Aufgaben geschrieben, wodurch das Schloß erlöst werden könnte. Die erste war, in dem Wald unter dem Moos lagen die Perlen der Königstochter, tausend an der Zahl, die mußten aufgesucht werden, und wenn vor Sonnenuntergang noch eine einzige fehlte, so ward der, welcher gesucht hatte, zu Stein. Der älteste gieng hin und suchte den ganzen Tag, als aber der Tag zu Ende war, hatte er erst hundert gefunden; es geschah wie auf der Tafel stand, er ward in Stein verwandelt. Am folgenden Tag unternahm der zweite Bruder das Abenteuer: es gieng ihm aber nicht viel besser als dem ältesten, er fand nicht mehr als zweihundert Perlen, und ward zu Stein. Endlich kam auch an den Dummling die Reihe, der suchte im Moos, es war aber so schwer die Perlen zu finden und gieng so langsam. Da setzte er sich auf einen Stein und weinte. Und wie er so saß, kam der Ameisenkönig, dem er einmal das Leben erhalten hatte, mit fünftausend Ameisen, und es währte gar nicht lange, so hatten die kleinen Tiere die Perlen mit einander gefunden und auf einen Haufen getragen. Die zweite Aufgabe aber war, den Schlüssel zu der Schlafkammer der Königstochter aus der See zu holen. Wie der Dummling zur See kam, schwammen die Enten die er einmal gerettet hatte, heran, tauchten unter, und holten den Schlüssel aus der Tiefe. Die dritte Ausgabe aber war die schwerste, aus den drei schlafenden Töchtern des Königs sollte die jüngste und die liebste heraus gesucht werden. Sie glichen sich aber vollkommen, und waren durch nichts verschieden, als dass sie, bevor sie eingeschlafen waren, verschiedene Süßigkeiten gegessen hatten, die älteste ein Stück Zucker, die zweite ein wenig Sirup, die jüngste einen Löffel voll Honig. Da kam die Bienenkönigin von den Bienen, die der Dummling vor dem Feuer geschützt hatte, und versuchte den Mund von allen dreien, zuletzt blieb sie auf dem Mund sitzen, der Honig gegessen hatte, und so erkannte der Königssohn die rechte. Da war der Zauber vorbei, alles war aus dem Schlaf erlöst, und wer von Stein war, erhielt seine menschliche Gestalt wieder. Und der Dummling vermählte sich mit der jüngsten und liebsten, und ward König nach ihres Vaters Tod; seine zwei Brüder aber erhielten die beiden andern Schwestern.
 


Die Weidenkinder und die Bienen 

Es war sehr früh im Jahr, einmal, vor langer, langer Zeit. Mutter Sonne hatte eben den letzten Schneefleck von der Wiese unten am Bach weggewischt. Doch der Wind blies noch kalt trotz der eifrigen Sonnenkinder, die von Frau Sonne auf die Erde geschickt wurden, um sie zu wärmen. 
 Was war nur mit dem Bienenstock im alten Baum los? So still war es da noch! Ob die Bienen wohl noch schliefen? Doch nein! Siehe da, da kletterte eine Biene doch unentwegt über die moosige Baumrinde, vor dem Eingangstor zur Bienenburg auf und ab. Was suchte sie denn nur? Ach, sie murmelte ja auch etwas vor sich hin: "Dass doch der Winter heuer gar so lange dauern muss! Mein Bienenvolk hungert schon, aller Honig ist aufgebraucht, und keine einzige Blume ist noch zu sehen, o Gott, o Gott, was kann ich nur tun, um meinen Arbeitsbienen zu helfen? Ich hab's!" Und sie rief nach der Bienenältesten: die kam matt und schwach herbeigekrochen.
 "Königin, was soll ich tun?" fragte sie. "Du fliegst sofort zur alten Weide am Bach und bittest sie, dem hungernden Bienenvolk zu helfen."
 Die alte Weide mit dem großen, grünen Kugelkopf guckte sehr erstaunt, als sie die Biene heranfliegen sah: "Ja, was machst denn du schon draussen in der Kälte?", fragte sie die Biene. Diese flog ganz dicht an das Ohr der alten Weide und lispelte: "Ach, bitte, liebe, gute Weide, hilf uns doch! Meine Königin schickt mich. Du musst wissen, dass meine Schwestern schon vor Hunger krank sind. Ich fürchte, sie werden noch sterben, wenn sie
 nicht bald süßen Nektar bekommen. Lass doch, bitte, deine Kinder aus ihren braunen, glänzenden Häuschen springen! Ach, bitte, bitte, hilf uns!"
 Da guckte die Weide mit sehr ernstem Gesicht vor sich hin, schaukelte nachdenklich ihr Haupt und meinte endlich: "Es ist noch so kalt, meine Kinder sind kleine, zarte Dingelchen, ich habe Angst, sie können mir krank werden oder gar in der Nacht erfrieren.
 Trotzdem muss ich euch aus eurer großen Not helfen!"
 Da jubelte unsere kleine Biene, klatschte in die Händchen und rief: "Oh, wenn du nur willst, findest du sicherlich einen Weg, uns zu helfen! Ich glaube ganz fest daran, denn du bist sehr weise!"
 "Ich werde es versuchen! Komm gleich morgen wieder, dann werde ich dir schon genaueres sagen können. Und nun flieg schnell heim, es ist sehr kalt, und du musst gesund bleiben!" sagte die Weide. "Hab Dank! Hab Dank!'", flüsterte das Bienchen, und Freudentränen kullerten ihm aus den großen Augen. Dann flog es schnell heim, um seiner Königin alles zu berichten.
 Die Weide aber dachte lange nach, wie sie den Bienen helfen könnte, ohne ihren eigenen Kindern dabei Schaden zu bringen, aber es wollte ihr nichts Rechtes einfallen. Die Nacht war schon längst gekommen, und immer noch wusste sie keinen Rat. Da kam auf einmal die alte Eule herbeigeflogen, setzte sie auf die Weide und fragte: "Nun, Mutter Weide, wie geht's? Du schaust heute ganz so kummervoll drein, hast du Sorgen?" ­ "Ja, große sogar",
 gab die Weide zur Antwort und erzählte der Eule von den hungernden Bienen. Doch auch der klugen, erfahrenen Eule wollte ausgerechnet heute kein guter Rat einfallen, sie meinte nur: "Weißt du, ein dickes Pelzerl mussten halt deine Kinder anhaben, so einen Winterpelz wie die Mäuse, Rehe und Hasen." Da atmete die Weide auf: "Ich hab's! Ich weiß schon, wie ich's mache! Ich danke dir, gute Eule!" 
 Und was glaubt ihr, Kinder, was unser Bienchen am nächsten Morgen sah, als er zur Mutter Weide geflogen kam? Alle Weidenkinder guckten aus ihren braunen Mäntelchen heraus und hatten dicke, graue Wolljäcken an. Die Weidenmutter hatte sie noch schnell in der Nacht für sie gemacht, damit sie es warm hätten und doch den Bienen ihren süßen Nektar schenken könnten. Sie lachten auch allesamt recht unternehmungslustig in die Welt und konnten es gar nicht erwarten, die Bienen zum ersten Male begrüßen zu dürfen.
 Und jetzt summte und brummte es auch endlich wieder einmal im Bienenstock. Als nämlich die Bienenälteste mit der Nachricht heimkam, die Weidenkinder warteten voll Freude auf das Bienenvolk, da ging es im Stock drunter und drüber zu. Am liebsten wären gleich alle Bienen auf einmal zur alten Weide geflogen. 
 Immer mehr Bienen kamen zur Weide, um sich endlich wieder satt zu essen. Auf einmal kam ein junges Bienchen ganz aufgeregt in den Stock zur Königin geflogen, und rief: "Königin, sie kämpfen, oh, mir ist so bang!" "Wer kämpft?" fragte die Königin ernst. "Nun, die Bienenschwestern mit den großen Hummeln und den bösen Wespen; es ist schrecklich anzusehen, oh, bitte kommt mit, Königin!", rief die kleine Biene in heller Angst. Die Königin fragte sie: "Warum kämpfen sie? Wer hat ihnen etwas getan?" ­ "Niemand, Königin. Aber weißt du, die Hummeln und Wespen waren auf einmal da, und wollten auch Nektar haben, und da riefen meine Schwestern: Die Weide gehört nur uns, da hat niemand anderer etwas zu suchen! Und schon begannen sie, auf die anderen loszugehen, um sie zu vertreiben. Damit haben sie auch Recht, nicht wahr, Königin?" ­ "Nein," rief die Königin, "hol mir sofort unsere Älteste!" Zitternd flog das Bienchen von dannen, um den Befehl der Königin auszuführen. Und als die Älteste zur Königin kam, sprach diese nur wenige Worte und schickte sie zur Weide. Unsere Bienenälteste aber flog eilig zu den wild surrenden Bienen und rief ihnen zu: "Die Königin befiehlt euch, sofort Frieden zu halten!" Immer wieder rief sie, so laut sie nur konnte, den Bienen den Befehl der Königin zu; da wurde es endlich stiller um die Weidenkinder, die ganz erschreckt mitten in diesen Tumult geraten waren. Die Bienen flogen bang nach Hause und mussten sich sofort alle um die Königin versammeln. Mit hängenden Köpfen standen sie da, als die Königin zu sprechen begann: "Ich dachte immer, mein Volk wäre klug und gut. Wenn es klug ist, dann weiß es, dass alles draußen in der Natur ein Geschenk Gottes ist und nicht einem allein gehört. Wenn mein Volk aber gut ist, dann teilt es sein Brot mit allen anderen, die auch Hunger haben. Und nun geht an eure Arbeit und denkt über meine Worte nach!"
 Da schlichen die Bienen lautlos und beschämt davon. 
 Eine kleine Biene hatte sich auch ihr Körbchen mit goldigem Blütenstaub vollgestopft, wie sie es bei den anderen Bienen gesehen hatte. Nun hatte sie aber am Vortag in der Bienenschule nicht recht aufgepasst, als vom Honigbrotmachen die Rede war. Zum Glück fiel es ihr später wieder ein: man mischt Blütenstaub mit Honig und knetet alles ordentlich durch. Die kleine Biene aber wollte lieber mehr Blütenstaub dazu nehmen und den Honig selber essen. Die kleinen Bienenkinder, für die das Honigbrot gehörte, sollten ruhig mehr Blütenstaub essen! Aber das sollte unsere kleine, geizige Biene noch bereuen! Eine alte Biene sah ihr nämlich zu, als sie zu einem Bienenkind lief und ihm das trockene Honigbrot ins Mäulchen steckte. O je! Fing das auf einmal zu husten an!
 Und wie es an dem trockenen Zeug schlucken und würgen musste! Doch da war die alte Biene gerade noch zur rechten Zeit hinzugekommen, schüttelte und klopfte das Kleine so
 lange, bis es wieder Luft bekam. Unser kleiner Geizhals aber musste zur Strafe tagelang
 daheim bleiben und schmutzige Waben blank putzen, damit die anderen Bienen goldenen Honig hineinfüllen konnten. Das war eine ganz arge Strafe für das junge Bienchen. Nur ein paar Wochen schickte die Königin ihre Getreue wieder zur Weide, um ihr noch einmal Dank sagen zu lassen. Doch die Weidenmutter ließ sie gar nicht erst zu Wort kommen, sondern streckte ihr alle ihre Zweige entgegen: "Sieh her, all die kleinen, grünen Früchte, dafür danke ich deinen braven Bienenschwestern! Das gibt viele, viele Samen und dann viele, neue Weidenbäumchen. Ich habe halt meinen Kindern Wolljäckchen angezogen und will es nun jedes Jahr so machen. Ich habe euch geholfen, genau wie ihr mir geholfen habt, und so wollen wir es immer halten!"



Bienen’zauberer‘ auf der Apfelwiese

 

Frühlingsgeschichte Bienen – Nun sind sie wieder unterwegs, die Bienen. Das ist wichtig. Bienen sind wichtig für unser Leben
Ein sonniger Frühlingstag ist heute. Warmer Wind hat die Wolken, die viele Wochen über dem Land gelegen haben, vertrieben.
Endlich Frühling! Der Winter ist lang gewesen und alle Menschen freuen sich sehr. Sie genießen die Frühlingssonne, die ihre blassen Gesichter ein bisschen bräunt, und erfreuen sich an den ersten Frühlingsblumen.
Auch die Bäume freuen sich. Wohlig recken sie ihre Zweige dem Sonnenlicht entgegen und schälen ihre Blütenknospen ganz langsam, eine nach der anderen, aus der Schutzhülle.
Frühling! Jetzt wird das Land wieder bunt. Blütenbunt. Jeden Tag ein bisschen mehr. Auch die Tiere erwachen aus ihrem Winterschlaf. Sie sind hungrig und voller Freude auf das neue Leben.
Besonders früh sind die Bienen unterwegs. Sie haben schon im ganz frühen Frühling die Blüten der Weiden und Haselbüsche besucht und deren köstlichen Nektar genascht. Nun summen und surren sie um Blumen und Blüten auf den Wiesen und in den Gärten.
Psst! Man kann es hören, ihr aufgeregtes, eifriges Brummsummen.
Besonders eifrig umsummen die Bienen die Blüten der Obstbäume. Es ist ein richtiges Brummsummkonzert.
„Wie schön das klingt!“, freut sich ein kleines Mädchen, das mit seinem Großvater einen Spaziergang über die Apfelwiese macht. „Ich mag die Bienen ganz doll leiden.“
Der Großvater nickt. „Ich auch. Sie sind auch sehr wichtig für die Bäume und für die Früchte.“
„Und für den Honig“, sagt das Mädchen.
„Naschkatze!“ Der Großvater lächelt. „Die Bienen sind hier auf der Apfelwiese nicht nur als Nektarsammler unterwegs. Nein, sie sind kleine Apfelzauberer.“
„Apfelzauberer?“ Fragend sieht das Mädchen den Großvater an.
„Ja! Sie sind Apfelzauberer und Birnenzauberer, Kirschenzauberer, Pfirsichzauberer, Pflaumenzauberer und viele andere Obstzauberer. Sie fliegen von Baum zu Baum und Blüte zu Blüte auf der Suche nach Nektar. Von jeder Blüte nehmen sie ein bisschen Blütenpollen, der an ihren Körpern haftet, mit. Viel davon verlieren sie gleich wieder beim Besuch der nächsten Blüte. Gelangt der Pollen auf den Blütenstempel, ist die Blüte befruchtet und die Frucht beginnt zu wachsen.“
„Toll!“ Das kleine Mädchen staunt. „Und dann wachsen kleine Äpfel und Birnen und Kirschen und Pfirsiche und all das andere Obst?“, fragt es aufgeregt.
Der Großvater nickt. „Die Samenanlagen entwickeln sich und darin bilden sich die Apfelkerne und um sie herum wächst als Schutz das Fruchtfleisch.“
Da lacht das kleine Mädchen. „Dann sind die kleinen Bienen aber ganz arg große und ganz tolle Zauberer, weißt du?“
Der Großvater nickt. „Und man muss sehr gut auf sie achten und aufpassen“, sagt er. „Was wäre unser Leben ohne die Bienen?“
© Elke Bräunling



Nektar für die Bienen

  

„Hey, wacht auf! Es ist höchste Zeit!“
 Laut hallte die Singsangstimme der Frühlingselfe durch den Garten. Laut und drängend.
 „Frühling ist’s, ihr lieben Blumen! Die Menschen warten auf euch, die Tiere und ganz besonders die Bienen und Hummeln und Schmetterlinge und Käfer. Sie haben Hunger und wollen euren Nektar trinken. Hört ihr mich, ihr Blumen?“
 „Wohl! Wohl!“, brummte die Hyazinthe, die noch tief in der Erde in ihrer Zwiebelknolle ruhte. „Du bist nicht zu überhören. Aber bist du dir sicher, dass der Frühling schon da ist, Frühlingselfe?“
 „Aber klar. Ich bin doch auch da! Hörst du mich nicht?“
 „Natürlich. Klar und deutlich singt dein Lied in meinem Ohr. Schließlich hast du mich aus meinem wohlverdienten Winterschlaf geweckt und …“
 „Sie lügt, die Elfe!“, wurde er da von den Gänseblümchen, die ihre Köpfe zögernd aus der wintergrauen Wiese reckten, unterbrochen. „Kalt ist es noch und windig und frostig hart in den Morgenstunden. Der Frühling lässt sich Zeit und auch ihr könnt noch ein wenig ruhen.“
 „Stimmt!“, bestätigten die Schneeglöckchen. „Für euch ist es noch viel zu kühl. Wir sind an der Reihe. Wir und unsere Freunde, die Winterlinge und Märzenbecher und Krokusse. Es ist unsere Zeit.“
 „Na, dann ist es ja gut“, murmelte die Hyazinthe. „Ich kann also noch ein Weilchen in meiner Zwiebel bleiben.“
 „Wir auch!“, riefen die Narzissen, Tulpen und Irisblüten. „Unsere Zeit ist noch nicht gekommen. Wir werden jetzt noch nicht gebraucht.“
 „Falsch!“, rief die kleine Elfe und ihre Stimme klang ein bisschen seltsam, ja, verzweifelt fast. „Und wie ihr gebraucht werdet! Ihr und euer süßer Nektar. Die Bienen und Hummeln sind hungrig. Sehr sogar. Ihr müsst ihnen helfen und blühen. Schnell.“
 „Warum fliegen sie nicht zu den Weiden und Haselsträuchern drüben bei der großen Wiese wie jedes Jahr?“, näselte die Papageientulpe mit ungehalten klingender Stimme. „Dort finden sie im frühen Frühling immer genug Nahrung.“
 „Weil … weil es die Weiden und Haselsträucher nicht mehr gibt. Die Menschen haben sie im Herbst gefällt und ihr Holz verbrannt. Seht selbst!“ Traurig klang die Stimme der Elfe nun. „Sie denken nicht mehr nach, die Menschen. Schon gar nicht mehr sorgen sie sich um die Tiere und Pflanzen. Auch uns Elfen scheinen sie wohl vergessen zu haben.“
 „Jaja! Jaja! Nur wir sind jetzt für die Bienen da“, riefen die Schneeglöckchen.
 „Wir auch! Hört ihr? Wir auch!“, ergänzten die Winterlinge und Krokusse, und die Märzenbecher riefen:
 „Wir hatten auch heute wieder viele Bienen, Hummeln, Käfer und auch Schmetterlinge mit zitronengelben Flügeln zu Gast. Das war schön.“
 „Aber ihr seid zu wenige!“, klagte die Elfe. „Von eurem Nektar allein werden eure Gäste nicht satt. Und deshalb müssen alle Blumen …“ Sie brach ab, weil sie weinen musste.
 „Oho!“, murmelte die Hyazinthe.
 „Oh weh! Oh weh!“, klagten die Narzissen und die Tulpen riefen:
 „Was zögert ihr? Los! Los! Lasst eure Triebe wachsen! Lasst uns dem frühen Frühling nektarsüße Düfte schenken und ihn mit unseren Blüten frühlingsbunt bemalen! Seid ihr dabei?“
 „Jaaaa!“, riefen die Blumenzwiebeln und ein Raunen ging durch die Böden der Gärten ringsum:
 „Aufwachen! Hört ihr! Aufwachen und wachsen und blühen. Unsere Freunde, die Bienen brauchen uns.“
 Allüberall in den Gärten war dieses Raunen zu hören und es dauerte nicht lange, bis frische grüne Blattspitzen die grauen Böden schmückten.
 „So ist es gut“, bedankte sich die Elfe. „Ihr seid alle wundervoll. Es ist ein Anfang. Ja, ja, so ist es gut.“
 Und das war es auch. Für den Moment.
© Elke Bräunling




Der Hunger der Bienen

Längst war die Sonne hinter den Bergen untergegangen und Maik saß noch immer am weit geöffneten Fenster seines Zimmers. Es waren Ferien und niemand sagte ihm, wann er ins Bett zu gehen hatte. Das war toll. Er liebte die langen Sommerferien. Und ganz besonders liebte er es, sich frei fühlen zu dürfen, wenn er in den Ferien Opa Leonhard in dem kleinen Walddorf besuchte. Der nämlich behandelte ihn wie einen Erwachsenen und das war besser als die aufregendste Urlaubsreise in ferne Länder.
 In Opa Leonhards Garten hatte Maik sogar sein eigenes Beet, das er ganz nach seinen eigenen Wünschen gestalten durfte. Im Frühjahr hatte er eine Blumenwiese gesät und dort blühten die Wildblumen und Kräuter nun kunterbunt. Toll sah das aus. Maik war gespannt, ob sich viele Insekten dort einfinden würden. In der Schule hatte er nämlich gelernt, dass die Bienen und Hummeln und Schmetterlinge, Käfer, Fliegen es sehr schwer hatten, genug Nektar zu finden. Ohne Nektar aber mussten sie hungern oder weiterziehen und sich neue Plätze zum Leben suchen. Das war, fand Maik, nicht okay.
 Opa Leonhard war da ganz seiner Meinung. „Das ist genau richtig, mein Junge! Wir brauchen die Bienen, sie sind für uns lebenswichtig. Aber wenn sie keine Nahrung mehr finden, dann werden sie mit der Zeit immer weniger werden und irgendwann …“
 Maik mochte sich nicht ausmalen, was irgendwann geschehen würde. Hoffentlich konnten Opa und er etwas dagegen tun und wenn alle Menschen mithelfen würden, müsste es doch gelingen, die Bienen und alle anderen Insekten zu retten.
 „Was passiert dann irgendwann? Ich meine, wenn es keine Bienen mehr gäbe?“, fragte er dennoch. „Haben wir dann keinen Honig mehr?“
 Opa Leonhard lachte heiser auf. Es war kein fröhliches Lachen.
 „Ha!“, grunzte er schließlich. „Wenn es nur der Honig wäre! Damit könnte man zur Not noch leben. Aber wie wollen wir ohne Obst, Blumen und viele Gemüse- und Getreidearten leben?“
 „Was hat denn das Obst damit zu tun? Und das Gemüse und Getreide?“, fragte Mai. „Ein bisschen konnte er sich das ja denken, aber er wollte es ganz genau wissen, denn er musste unbedingt seinen Freunden davon erzählen. Nur gemeinsam nämlich konnte man etwas erreichen.
 „Also gut“, sagte Opa. „Dann muss ich mich aber setzen, komm mit auf die Bank unter dem Apfelbaum!“
 Und dann erklärte Opa Florian all das, was der schon geahnt hat. Dass es nämlich die Bienen und Hummeln waren, die die meisten Blüten bestäubten und dass dieser wichtige Job der Bienen dafür sorgte, dass die Früchte an Bäumen und Sträuchern, auf Feldern und in Gemüsegarten sich entfalten und wachsen konnten.
 „Und nun stell dir vor“, schloss Opa seinen Bericht, „wie es auf unseren Tellern aussähe, gäbe es all diese Früchte nicht mehr.“
 „Das darf einfach nicht passieren, Opa! Du und ich, wir werden dafür sorgen, dass es in unserem Garten viel Nahrung für Bienen und Hummeln gibt, nicht wahr? Und ich werde allen davon erzählen und sie bitten, es ebenso zu tun!“
 Maiks Augen leuchteten vor Eifer. „Wenn der Stein erst ins Rollen kommt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten, wie bei den Dominosteinen, wenn der erste fällt!“
 Opa lächelte. Er hatte ein tolles Enkelkind und er war stolz.
 „Dann sei du der erste Stein, mein Lieber!“, sagte er und drückte Maik die Hand. „Ich helfe dir!“
© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl



Ein wundersamer Sommertag

Umweltmärchen – Eine interessante Unterhaltung der Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen im Rosenbusch
Viel Betrieb herrschte im Rosenbusch am Gartenhäuschen. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen summten und surrten um die Blütenkelche. Heute aber waren die kleinen Strauchgäste nicht so begierig auf Nahrungssuche aus. Sie unterhielten sich. Über die Menschen, von denen sie nur selten Gutes zu berichten wussten. Die Zweibeiner schlugen nämlich meist nach ihnen oder sie versuchten, sie mit Spraydosen zu vergiften oder sie verjagten sie mit Fliegenklatschen und anderen schmerzhaften Geräten von Blüten, Kuchenstücken und Picknickdecken.
„Es scheint, als fürchteten sie uns“, wunderte sich eine Hummel. „Dabei habe ich noch nie einem Menschenwesen etwas zuleide getan.“
„Ich auch nicht!“
„Ich schon gar nicht!“
„Denkt ihr, wir?“
Rummelig ging es zu. Die Tiere waren sich einig. Keines von ihnen mochte einem Lebewesen wehtun. Warum nur wussten die Menschen, die doch sonst immer alles zu wissen vorgaben, dies nicht?
„Gestern allerdings“, wunderte sich eine Wespe, „ist mir etwas Seltsames passiert. Ich stillte im Himbeerstrauch meinen Hunger, als ein Kind mit einer Schüssel kam. Schon wollte ich fliehen, doch denkt, das Kind schlug nicht nach mir! Nein, es fragte höflich, ob es sich auch Beeren nehmen könne. Natürlich hatte ich nichts dagegen. Früchte gehören allen Lebewesen. Das Kind füllte seine Schüssel und verabschiedete sich mit einem fröhlichen ´Tschüs´! Ich sage euch, meine Verwunderung war groß.“
„Etwas Ähnliches ist mir gestern auch passiert“, sagte die Biene. „Auf der Kleewiese war´s, wo ich mich mit meinen Kolleginnen tummelte. Wir waren beim Nektarsammeln, als ein Pärchen kam. Wir wollten das Feld räumen, doch da fragten die jungen Leute höflich, ob sie für eine Weile neben uns Platz nehmen dürften. ´Die Wiese gehört allen´, haben wir geantwortet, ja, und da haben sie sich neben uns gelegt. Wir konnten ungestört unsere Arbeit fortsetzen. Ehrlich gesagt, es hat Spaß gemacht, um die beiden herumzusummen, und die haben sich später dann sogar für unser schönes Wiesenkonzert bedankt. Was sagt ihr dazu?“
„Verstehe einer die Menschen“, brummte die Hornisse. „Uns haben sie – aus Furcht – fast ausgerottet. Gestern aber hat mich ein Mann vorsichtig auf einer Zeitung aus dem Haus getragen, in das ich mich verirrt hatte. ´Machs gut´, hat er mir hinterher gerufen. Seltsam, nicht?“
„Ja, seltsam.“ Jedes Tier wusste eine ähnlich wundersame Geschichte vom gestrigen Tag zu erzählen.
„Vielleicht haben wir uns in den Menschen getäuscht“, meinte die Wespe.
„Oder haben sich die Menschen geändert?“, überlegte die Hummel.
„Recht wäre es“, sagte die Hornisse. „Die Welt gehört allen.“
„Hurra“, freuten sich die Bienen. „Sie scheinen es begriffen zu haben, die Menschen.“
Plötzlich hörten sie Menschenstimmen.
„Igitt!“, schrie eine Stimme entsetzt. „Unser Rosenbusch ist voller Ungeziefer!“
„Dagegen müssen wir etwas unternehmen“, rief eine andere Stimme.
Schon näherten sich Menschenhände mit Stöcken und Giftdosen dem Busch.
„Haut ab, ihr Mistviecher!“, brüllten die Stimmen.
Da machten die Tiere, dass sie davonkamen.
„Das gestern war wohl nur ein Traum gewesen…!? “, sagte die Hornisse später traurig. „Oder?“
© Elke Bräunling